Wann sich noch etwas ändern lässt, und wann nicht mehr
Eine Feng-Shui-Beratung kann an vier Punkten ansetzen: vor der Besichtigung, während der Grundrissplanung eines Neubaus, beim Einzug und danach im laufenden Wohnalltag. Je später der Zeitpunkt, desto weniger lässt sich am Gebäude selbst noch ändern, und desto mehr bleibt nur die Einrichtung übrig.
Was am Baukörper liegt, etwa die Lage der Haustür zur Straße oder der Zuschnitt der Zimmer, lässt sich nach dem Einzug kaum noch ändern, ohne zu bauen. Die Einrichtung dagegen, also Möbelstellung, Farben, Textilien und Ordnung, bleibt jederzeit anpassbar und kostet nichts außer Zeit.
- Vor der Besichtigung und dem Kauf: Lage, Grundstück und Grundriss stehen fest, sobald der Vertrag unterschrieben ist.
- Während der Neubauplanung: Ausrichtung, Zimmeraufteilung und Fensterlage lassen sich noch mit der Architektin abstimmen.
- Beim Einzug: Möbelstellung, Farben und Beleuchtung sind frei wählbar, bauliche Änderungen sind es oft nicht mehr.
- Im laufenden Wohnalltag: Ordnung, Pflanzen und kleine Umstellungen bleiben jederzeit möglich, unabhängig vom Anlass.
Was Sie vor der Besichtigung und beim Kauf prüfen
Schon vor der Besichtigung schaut die Formschule auf die Umgebung. Sie ist eine der beiden Hauptrichtungen der Lehre neben der Kompassschule. Prüfen Sie zum Beispiel, ob das Haus an einer belebten Kreuzung liegt, ob eine Straße geradewegs auf die Haustür endet, oder ob das Grundstück tiefer liegt als die Nachbargrundstücke. Solche Fragen beantwortet oft schon der Blick vom Gehweg aus, bevor überhaupt ein Termin vereinbart ist.
Innen zählen für die Lehre vor allem der Grundriss, die Lage der Zimmer zueinander und die Ausrichtung der Haustür. Ein maßstäblicher Grundriss aus dem Exposé hilft dabei mehr als eine Schätzung vor Ort. Die Wohnflächenverordnung legt zusätzlich fest, wie Balkone und Dachschrägen in die Fläche einfließen: Ein Balkon zählt dabei meist zu einem Viertel, höchstens aber zur Hälfte. Diese Punkte lassen sich bei der Besichtigung Raum für Raum abhaken, mit einer Checkliste zum Mitnehmen.
Was beim Neubau in den Grundriss einfließt
Wer neu baut, kann die Ausrichtung des Hauses und die Lage der Zimmer von Anfang an mitbestimmen. Die Kompassschule misst dafür mit einem Kompass die Himmelsrichtung des Grundstücks und leitet daraus nach der Lehre günstige Lagen für Haustür, Schlafzimmer und Küche ab.
Wie weit sich das umsetzen lässt, entscheiden zwei Regelwerke, die mit Feng Shui nichts zu tun haben. Der Bebauungsplan, die Satzung der Gemeinde für ein Baugebiet, legt über Baulinie und Baugrenze fest, wo auf dem Grundstück überhaupt gebaut werden darf. Die Landesbauordnung, das Baurecht des jeweiligen Bundeslandes, verlangt zusätzlich Abstandsflächen zu den Nachbargrundstücken. Beide zusammen können eine von der Lehre empfohlene Ausrichtung schlicht unmöglich machen.
Was Sie davon dem Architekten sagen und wo Bebauungsplan und Landesbauordnung die Grenze ziehen, lässt sich am Grundriss des Neubaus konkret klären.
Was nach dem Einzug noch möglich ist
Nach dem Einzug bleibt die Einrichtung der große Hebel. Sie legen das Bagua-Raster, ein neun Felder umfassendes Ordnungsraster, über die bestehenden Räume. Sie bilden die fünf Elemente in Farbe und Material ab, oder Sie stellen Bett und Schreibtisch anders. Keiner dieser Schritte verlangt einen Umbau.
In einer Mietwohnung gilt zusätzlich, dass bauliche Änderungen die Zustimmung der Vermieterin brauchen, während Möbel, Textilien und Pflanzen ohne Weiteres möglich bleiben.
Beim Entrümpeln geht es der Lehre zufolge zuerst um das, was ungenutzt herumsteht, nicht um eine Umgestaltung nach Bagua oder Elementen. Das ist deshalb häufig der erste Schritt nach einem Einzug oder einem Umbruch im eigenen Leben, etwa einer Trennung.
Wann sich eine Feng-Shui-Beratung überhaupt lohnt
Eine Beratung bringt am meisten vor einer Entscheidung, die sich später nicht mehr rückgängig machen lässt: vor dem Notartermin, vor der Bauantragstellung oder vor einer größeren Umbaumaßnahme. Nach dem Einzug in eine fertig eingerichtete Wohnung bleibt meist nur noch die Umstellung von Möbeln, wofür sich der Aufwand einer Beratung seltener lohnt. Für die Beratung bei einem Neubau nennt eine Anbieterin in ihrer Preisliste 15 bis 20 Euro netto je Quadratmeter Wohnfläche, also ohne Umsatzsteuer.
Steht die Entscheidung für Grundstück, Grundriss oder einen größeren Umbau noch aus?
Eine Beratung vor dieser Entscheidung kann Punkte einbringen, die später nicht mehr korrigierbar sind.
Ziehen Sie in eine bestehende Wohnung oder ein bestehendes Haus ein?
Eine Beratung zur Einrichtung ist möglich, ersetzt aber keine baulichen Änderungen mehr.
Ohne bevorstehenden Umzug oder Umbau bleibt vor allem das Entrümpeln und Umstellen der eigenen Einrichtung, das auch ohne Beratung machbar ist.
Feng Shui ist in Deutschland keine geschützte Berufsbezeichnung, jeder darf sich Berater nennen. Trotzdem lässt sich vor der Beauftragung prüfen, welche Ausbildung, welchen Leistungsumfang und welchen Preis eine Beraterin nennt.
Was von der Wirkung dieser Lehre belegt ist
Für die Lehre insgesamt gibt es keine Studie, die eine Wirkung auf Gesundheit, Finanzen oder Beziehungen zeigt. In der Wissenschaftstheorie führt Michael R. Matthews Feng Shui 2019 ausdrücklich als Pseudowissenschaft, weil die Lehre in dreitausend Jahren keine prüfbare Hypothese über ihre Wirkmechanismen hervorgebracht hat.
Die einzige randomisierte kontrollierte Studie zu Feng Shui erschien 2024 in PLOS ONE mit 558 Teilnehmenden. Sie untersuchte die Formschule in visuellen Simulationen von Krankenzimmern. Gefunden wurde ein indirekter Effekt auf Angst, vermittelt über die empfundene Angenehmheit des Raumes, nicht an echten Räumen gemessen.
Eine echte Überschneidung gibt es bei der Ausrichtung. Ein Haus mit großen Fenstern nach Süden nutzt die Sonneneinstrahlung nach Angaben von BauNetz Wissen am besten aus. Ost- und Westfenster erreichen davon nur etwa 60 Prozent, Nordfenster nur etwa 40 Prozent. Das ist Bauphysik und gilt unabhängig davon, ob eine Beratung dieselbe Himmelsrichtung aus einem ganz anderen Grund empfiehlt.
Häufige Fragen
Ab wann lohnt sich eine Feng-Shui-Beratung beim Hauskauf?
Eine Feng-Shui-Beratung lohnt sich beim Hauskauf am meisten vor dem Notartermin, wenn Lage und Grundriss noch offen sind. Nach der Unterschrift lässt sich am Gebäude selbst kaum noch etwas ändern, und die Beratung beschränkt sich auf die Einrichtung. Wer schon eine engere Auswahl an Objekten hat, kann diese vorab prüfen lassen.
Kann ich Feng Shui auch ohne Beratung selbst anwenden?
Ja, viele Grundregeln lassen sich ohne Beratung selbst anwenden, etwa das Bagua-Raster, die Fünf-Elemente-Zuordnung oder die Bettposition. Schwieriger wird es bei der Kompassmessung und bei widersprüchlichen Quellen, wo eine Beratung Erfahrung einbringt. Eine Wirkung auf mehr als das persönliche Empfinden ist dabei nicht belegt.
Was kann ich nach dem Hauskauf nach der Lehre nicht mehr ändern?
Nach dem Hauskauf lassen sich die Lage des Grundstücks, die Ausrichtung der Haustür zur Straße und der äußere Zuschnitt des Gebäudes praktisch nicht mehr ändern. Tragende Wände und die Grundstücksgrenze sind fest. Änderbar bleiben die Einrichtung, Farben, nicht tragende Wände und die Gartengestaltung.
Muss ich beim Neubau alle Feng-Shui-Empfehlungen umsetzen können?
Nein, Bebauungsplan und Landesbauordnung setzen jedem Neubau ohnehin Grenzen, unabhängig von Feng Shui. Eine Beratung, die das nicht berücksichtigt, plant an der Baugenehmigung vorbei. Realistisch ist meist eine Annäherung an die empfohlene Ausrichtung, keine vollständige Umsetzung.
Ist eine Feng-Shui-Beratung für die Mietwohnung sinnvoll?
Eine Feng-Shui-Beratung für die Mietwohnung ist sinnvoll, wenn sie sich auf Möbel, Farben, Licht und Ordnung beschränkt, denn dafür braucht es keine Erlaubnis der Vermieterin. Bauliche Wünsche wie eine versetzte Tür sind dagegen zustimmungspflichtig und in vielen Mietverträgen ausgeschlossen. Der Aufwand einer Beratung lohnt sich hier eher bei einem langfristigen Mietverhältnis.
