Was Sie brauchen, bevor Sie das Raster anlegen
Ein Bagua-Raster ist nur so genau wie der Grundriss darunter. Sie brauchen deshalb drei Dinge: eine maßstäbliche Zeichnung Ihrer Wohnung, eine Entscheidung darüber, welche Flächen dazugehören, und bei der klassischen Methode einen Kompass. Die zweite Entscheidung wird am häufigsten übersprungen, und sie verschiebt das Ergebnis am stärksten.
Welche Flächen zählen, regelt für geförderten Wohnraum die Wohnflächenverordnung. Sie zählt Wintergärten und Balkone zur Wohnfläche, Keller, Abstellräume, Waschküchen, Bodenräume und Garagen dagegen nicht. Räume ab zwei Metern lichter Höhe zählt sie voll, niedrigere Räume zwischen einem und zwei Metern zur Hälfte und Balkone meist zu einem Viertel. Verbindlich ist die Verordnung für die Berechnung nach dem Wohnraumförderungsgesetz; in anderen Verträgen gilt sie, wenn beide Seiten sie vereinbaren.
- Nehmen Sie den Grundriss aus dem Kaufvertrag, dem Mietvertrag oder der Bauakte. Eine freihändige Skizze verschiebt die Feldgrenzen um mehr, als die Zuordnung verträgt.
- Entscheiden Sie vorher, ob Balkon, Wintergarten und Dachschräge zur Fläche gehören, und halten Sie die Entscheidung fest.
- Messen Sie die Außenkanten nach, wenn der Plan älter als die letzte Renovierung ist. Trockenbauwände verändern die Fläche, ohne im Plan zu stehen.
- Legen Sie fest, ob Sie die ganze Wohnung oder einzelne Räume rastern. Beides ist in der Lehre gebräuchlich, aber es sind zwei verschiedene Ergebnisse.
- Halten Sie einen Kompass bereit, wenn Sie klassisch arbeiten wollen. Eine Karten-App liefert im Gebäude eine deutlich größere Abweichung als ein Kompass.
Wie Sie das Drei-Türen-Bagua in sechs Schritten anlegen
Das Drei-Türen-Bagua kommt ohne Kompass aus und ist deshalb die Methode, die Sie selbst am Küchentisch nachvollziehen können. Sein Bezugspunkt ist der Haupteingang der Wohnung, und die Wand mit diesem Eingang bildet die Unterkante des Rasters.
- Zeichnen Sie den Grundriss maßstäblich nach und umschließen Sie ihn mit dem kleinsten Rechteck, in das er hineinpasst.
- Bestimmen Sie den Haupteingang der Wohnung. Das ist die Tür, durch die Sie normalerweise hereinkommen, nicht die Terrassentür und nicht die Zimmertür.
- Drehen Sie die Zeichnung so, dass die Wand mit dem Haupteingang unten liegt. Diese Wand trägt nun drei der neun Felder, daher der Name der Methode.
- Teilen Sie das Rechteck in drei gleich breite Spalten und drei gleich hohe Zeilen. Es entstehen neun Felder gleicher Größe.
- Ordnen Sie die Felder zu: das Feld, in dem der Eingang liegt, ist je nach Lage Wissen, Karriere oder hilfreiche Menschen. Von dort aus liegen die übrigen Felder fest.
- Übertragen Sie die Feldgrenzen zurück auf den echten Grundriss und notieren Sie, welcher Raum in welchem Feld liegt. Räume liegen oft in zwei Feldern zugleich.
Der fünfte Schritt entscheidet über alles Weitere. Liegt der Eingang in der Mitte der unteren Wand, fällt er in das Karrierefeld. Liegt er links, fällt er in das Feld Wissen, liegt er rechts, in das Feld der hilfreichen Menschen. Alle anderen Felder ergeben sich daraus, und ein Fehler an dieser Stelle dreht die gesamte Zuordnung.
Wie das kompassgebundene Bagua davon abweicht
Die klassische Methode ersetzt den Eingang durch die Himmelsrichtung als Bezugspunkt. Die neun Felder werden fest den acht Himmelsrichtungen plus dem Zentrum zugeordnet, unabhängig davon, wo die Wohnungstür liegt. Gemessen wird mit einem Kompass, in der Tradition mit dem chinesischen Luopan (einem mehrringigen Kompass mit chinesischen Schriftzeichen für die Feng-Shui-Messung), und zwar im Gebäude selbst. Auf dem kompassgebundenen Bagua bauen drei weitere Systeme auf: die Kua-Zahl, die Acht-Häuser-Schule und die Fliegenden Sterne. Die Acht-Häuser-Schule teilt die Wohnung anhand Ihrer persönlichen Kua-Zahl in günstige und ungünstige Bereiche ein, die Fliegenden Sterne sind eine sich jährlich ändernde Zeit- und Richtungsrechnung. Der Berufsverband für Feng Shui und Geomantie e.V. schult das Drei-Türen-Bagua in 6 von insgesamt 168 Unterrichtsstunden, das kompassgebundene Bagua in 21 von 168 Stunden.
| Merkmal | Drei-Türen-Bagua | Kompassgebundenes Bagua |
|---|---|---|
| Bezugspunkt | Der Haupteingang der Wohnung | Die gemessene Himmelsrichtung des Gebäudes |
| Werkzeug | Grundriss und Lineal | Grundriss, Lineal und Kompass |
| Verbreitung | Westliche Ratgeberliteratur und Selbstanwendung | Klassische chinesische Tradition und Beratungspraxis |
| Ausbildungsumfang beim Berufsverband | 6 von 168 Unterrichtsstunden | 21 von 168 Unterrichtsstunden für das kompassgebundene Bagua |
| Was darauf aufbaut | Die Zuordnung der Lebensbereiche | Kua-Zahl, Acht-Häuser-Schule und Fliegende Sterne |
| Typischer Fehler | Die Zimmertür statt der Wohnungstür als Eingang nehmen | Im Gebäude ohne Kontrollmessung messen, obwohl Stahl die Nadel ablenkt |
Für denselben Raum kommen beide Methoden regelmäßig zu unterschiedlichen Ergebnissen. Liegt Ihr Haupteingang im Norden, stimmen beide Raster zufällig überein. Liegt er im Westen, verschiebt sich die gesamte Zuordnung um zwei Felder. Deshalb widersprechen sich zwei Ratgeber zu derselben Wohnung, ohne dass einer der beiden falsch liegt.
Welche Methode zu Ihrem Grundriss passt
Die Wahl hängt weniger vom Geschmack ab als vom Grundriss und davon, was Sie danach vorhaben.
Wollen Sie später mit Kua-Zahl, Acht-Häuser-Schule oder Fliegenden Sternen weiterarbeiten?
Nehmen Sie das kompassgebundene Bagua. Alle drei Systeme setzen die gemessene Himmelsrichtung voraus, und eine Umrechnung aus dem Drei-Türen-Bagua gibt es nicht.
Haben Sie einen Kompass und einen Raum, in dem Sie ohne größere Ablenkung messen können?
Ist der Grundriss annähernd rechteckig?
Beide Methoden sind anwendbar. Nehmen Sie das kompassgebundene Bagua, wenn Sie später eine Beratung hinzuziehen wollen, sonst das Drei-Türen-Bagua.
Nehmen Sie das kompassgebundene Bagua. Bei L-Grundrissen und Anbauten ist die Himmelsrichtung der stabilere Bezugspunkt als ein Eingang, der am Rand eines Vorsprungs liegt.
Nehmen Sie das Drei-Türen-Bagua. Es kommt ohne Messung aus, und eine ungenaue Kompassmessung ist schlechter als gar keine.
Halten Sie die Entscheidung schriftlich fest, zusammen mit dem Datum und dem Bezugspunkt. Ein halbes Jahr später weiß sonst niemand mehr, warum das Raster so liegt, und die erste Nachfrage einer Beratung lautet genau danach.
Welche neun Felder das Bagua kennt
Das Raster geht auf das Lo-Shu-Quadrat zurück, ein Zahlenquadrat aus neun Feldern, in dem jede Zeile, jede Spalte und jede Diagonale die Summe 15 ergibt. Die acht Außenfelder tragen je ein Trigramm (ein aus drei Linien aufgebautes Zeichen der Lehre, das ein Element und eine Himmelsrichtung markiert), das Zentrum bleibt ohne eigenes Trigramm. Aus dieser Anordnung, in der Tradition der spätere Himmel genannt, ergeben sich Himmelsrichtung, Element und Lebensbereich je Feld.
| Zahl | Himmelsrichtung | Trigramm | Element | Lebensbereich |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Norden | Kan | Wasser | Karriere und Lebensweg |
| 2 | Südwesten | Kun | Erde | Partnerschaft und Beziehungen |
| 3 | Osten | Zhen | Holz | Familie und Herkunft |
| 4 | Südosten | Xun | Holz | Wohlstand und Fülle |
| 5 | Mitte | kein Trigramm | Erde | Gesundheit und Lebensmitte |
| 6 | Nordwesten | Qian | Metall | Hilfreiche Menschen und Reisen |
| 7 | Westen | Dui | Metall | Kinder und Kreativität |
| 8 | Nordosten | Gen | Erde | Wissen und Bildung |
| 9 | Süden | Li | Feuer | Ruhm und Anerkennung |
Die Elementzuordnung ist der Grund, warum Farb- und Materialempfehlungen sich je Feld unterscheiden. Ein Feld mit dem Element Holz wird in der Lehre über Grün- und Brauntöne oder über Pflanzen angesprochen, ein Feld mit dem Element Metall über Weiß und runde Formen. Welche Empfehlung daraus folgt, hängt am Zusammenspiel mit den Nachbarfeldern und nicht am einzelnen Feld.
Was bei fehlenden Ecken und L-förmigen Grundrissen gilt
Wohnungen sind selten Rechtecke. Sobald ein Grundriss einspringt, fällt ein Teil des Rasters außerhalb der Wohnfläche, und ein Feld ist unvollständig belegt. In der Ratgeberliteratur heißt das eine fehlende Ecke, und es ist der häufigste Anlass für Nachfragen.
Zwei Vorgehensweisen sind gebräuchlich. Bei der ersten wird das kleinste umschließende Rechteck gebildet, und die fehlenden Teile bleiben als Fehlbereiche stehen. Bei der zweiten wird der Grundriss in Teilrechtecke zerlegt und jedes Teilrechteck für sich gerastert. Die erste Variante ist verbreiteter, die zweite kommt bei stark gegliederten Häusern vor.
Praktisch wichtiger als die Wahl ist, dass Sie eine fehlende Ecke nicht mit einem Möbelstück wegdefinieren. Fehlt ein Viertel eines Feldes, dann fehlt es. Die Empfehlungen der Lehre setzen dort an, was vorhanden ist: an der Nutzung der verbleibenden Fläche, an Licht und an der Blickführung. Ein Spiegel, der die Ecke optisch ergänzt, verändert die Fläche nicht.
Wann eine Bagua-Empfehlung an das Baurecht stößt
Ein Teil der Empfehlungen bleibt bei Möbeln, Farben und Licht. Ein anderer Teil rührt an das Gebäude: eine Tür versetzen, eine Wand öffnen, ein Fenster vergrößern. Ab diesem Punkt entscheidet nicht mehr die Lehre, sondern das Bauordnungsrecht des jeweiligen Landes.
Die Musterbauordnung gibt den Rahmen vor, den die Länder übernehmen. Grundsätzlich brauchen Errichtung, Änderung und Nutzungsänderung von Anlagen eine Baugenehmigung. Ausgenommen sind nichttragende Wände sowie Fenster und Türen samt ihren Öffnungen. Nur in kleineren Wohngebäuden mit bis zu zwei Wohnungen dürfen Sie auch tragende Wände ohne Genehmigung ändern.
Zwei Punkte daraus betreffen Sie unmittelbar. Erstens: Eine Trockenbauwand versetzen ist etwas anderes als eine tragende Wand öffnen, und in einem Mehrfamilienhaus fällt die tragende Wand nicht unter die Ausnahme. Zweitens: Verfahrensfreiheit ist keine Freistellung von den Anforderungen. Auch ohne Genehmigungspflicht müssen Statik, Brandschutz und Schallschutz eingehalten werden, das prüft ohne Bauantrag niemand automatisch für Sie.
Holen Sie deshalb bei jeder baulichen Empfehlung eine zweite Fachmeinung ein, bevor Sie sie umsetzen: beim Tragwerksplaner für die Statik, beim Bauamt für die Genehmigung, in einer Eigentumswohnung zusätzlich bei der Eigentümergemeinschaft. Der Verband schreibt selbst, Feng Shui ersetze weder Architektur noch Innenarchitektur noch Baubiologie.
Häufige Fragen
Wie lege ich das Bagua-Raster über meinen Grundriss?
Für das Bagua-Raster umschließen Sie den maßstäblichen Grundriss mit dem kleinsten passenden Rechteck und teilen dieses in drei gleich breite Spalten und drei gleich hohe Zeilen. Beim Drei-Türen-Bagua liegt die Wand mit dem Haupteingang unten, beim kompassgebundenen Bagua richtet sich das Raster nach der gemessenen Himmelsrichtung. Danach übertragen Sie die Feldgrenzen zurück auf den echten Grundriss.
Welche Bagua-Methode ist die richtige?
Eine allgemein richtige Bagua-Methode gibt es nicht; die Feng-Shui-Lehre hat sich nie auf eine festgelegt. Das Drei-Türen-Bagua richtet sich am Haupteingang aus und kommt ohne Kompass aus. Das kompassgebundene Bagua arbeitet mit der gemessenen Himmelsrichtung und ist Voraussetzung für Kua-Zahl, Acht-Häuser-Schule und Fliegende Sterne. Entscheidend ist, dass Sie bei einer Methode bleiben.
Zählen Keller und Balkon zur Fläche für das Bagua-Raster?
Für das Bagua-Raster gibt es keine verbindliche Flächendefinition. Als Maßstab dient häufig die Wohnflächenverordnung: danach gehören Balkone, Loggien und Wintergärten zur Wohnfläche, Keller, Abstellräume, Waschküchen und Garagen dagegen nicht. Balkone werden in der Regel zu einem Viertel angerechnet, Raumteile zwischen einem und zwei Metern lichter Höhe zur Hälfte. Legen Sie die Entscheidung vorher fest und halten Sie sie schriftlich.
Was ist eine fehlende Ecke im Bagua?
Eine fehlende Ecke bezeichnet im Bagua den Fall, dass ein Grundriss einspringt und ein Feld des Rasters deshalb nur teilweise auf der Wohnfläche liegt. Bei L-förmigen Wohnungen ist das der Normalfall. Gebräuchlich sind zwei Wege: das kleinste umschließende Rechteck mit stehenbleibenden Fehlbereichen oder die Zerlegung in Teilrechtecke, die einzeln gerastert werden.
Welche Lebensbereiche gehören zu welchem Bagua-Feld?
Im Bagua trägt der Norden Karriere und Lebensweg, der Südwesten Partnerschaft, der Osten Familie und Herkunft, der Südosten Wohlstand, die Mitte Gesundheit, der Nordwesten hilfreiche Menschen und Reisen, der Westen Kinder und Kreativität, der Nordosten Wissen und Bildung, der Süden Ruhm und Anerkennung. Diese Zuordnung ist Überlieferung und wird in einzelnen Darstellungen abweichend benannt.
Brauche ich für eine Bagua-Empfehlung eine Baugenehmigung?
Ob eine bauliche Bagua-Empfehlung eine Baugenehmigung braucht, entscheidet das Bauordnungsrecht Ihres Bundeslandes. Nichttragende Wände dürfen Sie meist ohne Genehmigung ändern, tragende Wände nur in kleineren Wohngebäuden mit bis zu zwei Wohnungen. Auch ohne Genehmigungspflicht müssen Sie Statik, Brandschutz und Schallschutz einhalten, das prüft sonst niemand automatisch für Sie.
